Fermentierte Pflanzenpower: Fermentation verwandelt Kräuter in Kraftpakete
Fermentation: Entdecke die Power dieser altbewährten Methode für Darm, Immunsystem & Stressresilienz und erfahre, wie fermentierte Kräuter dein Wohlbefinden unterstützen, indem sie Vitalstoffe besser verfügbar machen. Ein Must-Have für die ganzheitliche Gesundheit!
Natürliche Veredelung: Die Renaissance einer sehr alten Methode
Heute wollen wir euch wieder mitnehmen – und zwar in die faszinierende Welt der Fermentation. Dabei geht es um viel mehr als nur um den Prozess der Gärung, wie z. B. der Herstellungsprozess von Sauerkraut, wie manche vielleicht annehmen. Fermentation ist eine Technik, die unsere Lebensmittel nicht nur haltbar, sondern auch bekömmlicher, nährstoffreicher und geschmacklich komplexer macht.
Wusstest du, dass durch Fermentation aus Kräutern wahre Kraftpakete werden können? Sie ist ein sehr alter und bewährter Verwandlungsprozess – von Sauerteig über Kimchi bis Kombucha. In allen Kulturen dieser Welt findest du fermentierte Lebensmittel.
Was geschieht während der Fermentation?
Was auf molekularer Ebene passiert, lässt sich augenzwinkernd auch als magisch bezeichnen: Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien, Hefen oder spezielle Pilze "essen" bestimmte Zucker oder Stärke und wandeln sie um. Dabei entstehen neue Stoffe – darunter Enzyme, Vitamine, organische Säuren und bioaktive Pflanzenstoffe, die oft eine viel höhere Bioverfügbarkeit aufweisen als im ursprünglichen Rohstoff.
Bei der Fermentation wird das Pflanzenmaterial (z. B. ein Kräuterextrakt) mithilfe von Mikroorganismen – z. B. Milchsäurebakterien wie (z. B. Lactobacillus plantarum) „vorverdaut“. Dabei entstehen:
Milchsäure, die ein saures Milieu schafft (gut für die Darmflora)
Enzyme, die Nährstoffe aufschlüsseln
bioaktive Pflanzenstoffe (z. B. Bitterstoffe, Polyphenole)
Das Spannende dabei: Pflanzenstoffe wie beispielsweise Enzian, Löwenzahn, Rosmarin & Co. werden nicht nur extrahiert, sondern durch die Fermentation biologisch aktiviert.
Warum ist die Fermentation so wertvoll und faszinierend?
Haltbarkeit auf natürliche Weise: Bevor es Kühlschränke gab, war Fermentation eine der wichtigsten Methoden, um Lebensmittel zu konservieren. Die von den Mikroorganismen produzierten Säuren senken den pH-Wert und schaffen so ein Milieu, in dem schädliche Bakterien nicht überleben können.
Nährstoff-Booster: Durch die Fermentation werden Nährstoffe in Lebensmittel besser verfügbar gemacht. Mikroorganismen produzieren auch Vitamine (zum Beispiel B-Vitamine oder Vitamin K2) oder machen Mineralien besser aufnehmbar, indem sie sog. "Antinährstoffe" abbauen.
Darmfreundlich und immunstärkend:Viele fermentierte Lebensmittel, besonders die lebendigen wie Kimchi, Joghurt oder Kombucha, enthalten lebende Kulturen. Diese Probiotika können unsere Darmflora positiv beeinflussen und somit zur Darmgesundheitbeitragen. Ein gesunder Darm wiederum ist eng mit einem starken Immunsystem verbunden.
Geschmacksexplosion: Kennst du den "Umami"-Geschmack? Fermentierte Lebensmittel sind oft voll davon! Sie entwickeln komplexe, tiefe und einzigartige Aromen, die durch keine andere Methode erreicht werden können. Denk an Sauerteigbrot, gereiften Käse, Sojasauce oder Kaffee – all das sind fermentierte Produkte.
Fermentation trägt auch zur Lebensmittel-Nachhaltigkeit bei, da sie die Haltbarkeit erhöht und die Möglichkeit bietet, Gemüsereste oder überreife Früchte zu verarbeiten.
Welche Arten der Fermentation gibt es?
Grundsätzlich werden drei Hauptarten der Fermentation unterschieden, basierend auf den Endprodukten und den beteiligten Mikroorganismen:
1. Essigsäuregärung
Bei dieser Gärung handelt es sich um einen aeroben Prozess, der Sauerstoff benötigt. Dabei wandeln Essigsäurebakterien (wie Acetobacter) Alkohol in Essigsäure um. Das prominenteste Beispiel hierfür ist Essig, der aus alkoholischen Flüssigkeiten wie Wein (Weinessig), Apfelwein (Apfelessig) oder Malz (Malzessig) gewonnen wird. Auch Kombucha, ein fermentiertes Teegetränk, durchläuft eine Essigsäuregärung (neben einer alkoholischen Gärung durch Hefen).
2. Alkoholische Gärung
Hier sind es hauptsächlich Hefen (insbesondere Saccharomyces cerevisiae), die Zucker in Ethanol (Alkohol) und Kohlendioxid umwandeln. Auch dieser Prozess findet anaerob statt. Die bekanntesten Produkte, die in diesem Prozess entstehen, sind Bier, Wein, Apfelwein (Cider) und Brot. Der Alkohol verdampft beim Backen, aber das Kohlendioxid lässt den Teig aufgehen.
3. Milchsäuregärung (Laktische Fermentation)
Das ist die Art der Fermentation, die du wahrscheinlich am häufigsten im Alltag triffst und die auch für viele gesunde Lebensmittel verantwortlich ist.
Was passiert? Bei der Milchsäuregärung wandeln Milchsäurebakterien (wie Lactobacillus, Bifidobacterium, Streptococcus etc.) Kohlenhydrate (Zucker) in Milchsäure um. Dieser Prozess findet ohne Sauerstoff (anaerob) statt. Die produzierte Milchsäure senkt den pH-Wert des Lebensmittels, was zwei entscheidende Vorteile hat:
→ Konservierung: Der saure pH-Wert hemmt das Wachstum von schädlichen Bakterien und Fäulnis-Organismen. Dadurch werden die Lebensmittel auf natürliche Weise haltbar gemacht.
→ Geschmack und Textur: Die Milchsäure verleiht den Produkten einen charakteristischen, säuerlichen Geschmack. Zudem können die Enzyme der Milchsäurebakterien die Textur der Lebensmittel verändern und sie bekömmlicher machen.
Die Liste an Lebensmitteln, die dabei entstehen, ist lang und lecker!
Hier sind einige der bekanntesten Beispiele:
Sauerkraut: Der Klassiker schlechthin! Weißkohl wird geschnitten und gesalzen, dann wandeln die Milchsäurebakterien den Zucker im Kohl zu Milchsäure um.
Kimchi: Das koreanische Nationalgericht, oft aus Chinakohl und Rettich, scharf gewürzt und milchsauer vergoren.
Joghurt, Kefir, Dickmilch: Hier wird Milch durch Milchsäurebakterien fermentiert. Die Milchsäure lässt das Milcheiweiß gerinnen und sorgt für die cremige Konsistenz und den säuerlichen Geschmack. Kefir enthält zusätzlich auch Hefen.
Sauerteigbrot: Die typischen Blasen und der säuerliche Geschmack kommen von Milchsäurebakterien und Hefen im Sauerteig, die das Mehl fermentieren.
Essiggurken und andere milchsauer eingelegte Gemüse: Ob Karotten, Bohnen oder Rote Bete – viele Gemüsesorten lassen sich hervorragend milchsauer einlegen.
Oliven: Grüne Oliven werden oft in Salzlake milchsauer fermentiert, um ihre Bitterkeit zu reduzieren und den Geschmack zu entwickeln.
Einige Käsesorten: Die Reifung vieler Käsesorten beinhaltet Milchsäurebakterien, die zur Entwicklung von Aroma und Textur beitragen.
Warum ist die Milchsäuregärung so wichtig für uns?
Die Produkte der Milchsäuregärung sind oft reich an Probiotika, also lebenden Mikroorganismen, die bei ausreichender Menge positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben können. Sie unterstützen die Darmflora und fördern die Verdauung, die wiederum eng mit dem Immunsystem in Verbindung steht. Zudem werden durch die Fermentation oft schwer verdauliche Stoffe abgebaut.
Eine spezielle Kräutermatrix – und was sie nach der Fermentation leisten kann
Was diese spezielle Kombination leisten kann:
LEBER- UND GALLEKRÄUTER – Mariendistel, Löwenzahn, Enzian
ADAPTOGENE TENDENZ – Pflanzen, die Körper und Psyche helfen können, mit Stress besser umzugehen wie Rosmarin und antioxidative Stoffe in Beeren
All diese Pflanzen werden durch Fermentation milder, verträglicher – und teilweise auch wirksamer. Besonders Bitterstoffe oder Gerbstoffe können so in sanftere Verbindungen überführt werden, ohne ihre Funktion zu verlieren.
Synergie von Kräutern & Beeren in fermentierter Form
Viele Produkte enthalten Kräuter oder Beeren – durch die Milchsäuregärung entstehen zusätzliche antioxidative Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren, bioaktive Flavonoide oder Milchsäureester. Das macht die Rezeptur nicht nur funktional, sondern auch intelligent kombiniert.
Können fermentierte Kräuter die Aufnahme von Vitalstoffen im Darm verbessern?
Dein Darm ist wie ein sehr anspruchsvoller Filter, der entscheiden muss, was aus der Nahrung in deinen Körper darf und was nicht. Rohe Kräuter sind oft vollgepackt mit wertvollen Vitalstoffen, aber auch mit komplexen Fasern oder sogar Stoffen, die die Aufnahme dieser Vitalstoffe erschweren können.
Wenn Kräuter fermentiert werden, geschieht Folgendes:
Die "Vorverdauung" durch Mikroben: Die kleinen Helferlein (Bakterien, Hefen) brechen während der Fermentation die Zellwände der Kräuter auf und "knacken" komplexe Moleküle in kleinere, leichter verdauliche und aufnehmbare Bestandteile. Sie leisten quasi schon einen Teil der Arbeit, die dein Darm sonst alleine machen müsste.
Die "Darm-Renovierung": Fermentierte Kräuter bringen lebende Milchsäurebakterien mit. Diese Probiotika können dazu beitragen, das Milieu in deinem Darm zu verbessern und eine gesunde Darmflora aufzubauen oder zu unterstützen. Ein gesunder Darm mit einer vielfältigen Flora ist viel effizienter darin, Nährstoffe aufzunehmen.
Entschärfung von "Blockern": Manche Kräuter enthalten Stoffe, die die Aufnahme von Mineralien oder Vitaminen hemmen können. Durch die Fermentation können sog. "Antinährstoffe" abgebaut oder entschärft werden, sodass die Vitalstoffe freier sind und besser aufgenommen werden können.
Fermentierte Kräuter sind wie ein cleveres "All-inclusive"-Paket. Fermentation macht die Vitalstoffe für deinen Darm leichter zugänglich und gleichzeitig schafft sie ein besseres Darmmilieu, das optimal für die Aufnahme dieser Stoffe ist. So können deine Zellen mehr abbekommen von dem, was sie brauchen!
Hat die Fermentation auch einen Einfluss auf die Stressresilienz?
Stell dir die Darm-Hirn-Achse wie eine Art direkte Kommunikationslinie zwischen deinem Darm und deinem Gehirn vor. Diese Verbindung ist keine Einbahnstraße, sondern ein ständiger Austausch von Signalen in beide Richtungen. Beteiligt sind dabei Nervenbahnen (allen voran der Vagusnerv), Hormone, Neurotransmitter und vor allem auch die Milliarden von Mikroorganismen, die in deinem Darm leben – dein Darmmikrobiom.
Fermentierte Pflanzenkraft kann durch die positiven Effekte auf dein Darmmikrobiom und die Stärkung der Darmbarriere indirekt deine Stressresilienz beeinflussen. Ein gesunder, ausgeglichener Darm sendet "entspanntere" Signale an das Gehirn, was dabei helfen kann, besser mit Stress umzugehen und widerstandsfähiger zu sein.
Dein Weg zu mehr Wohlbefinden
Wie du siehst, ist die Fermentation weit mehr als nur eine Methode zur Haltbarmachung. Sie ist eine jahrtausendealte Kunst, die unsere Nahrung in wertvolle Vitalstoffpakete verwandelt und unser Wohlbefinden auf vielfältige Weise unterstützt. Mit fermentierten Produkten kannst du diese Pflanzenpower ganz einfach in deinen Alltag integrieren. Sei neugierig, experimentiere und finde heraus, wie diese mikrobiellen Meisterwerke dein Leben bereichern können. Nicht nur dein Darm wird es dir danken!
Tauche mit unserem Partner FORUM VIA SANITAS in die faszinierende Welt der Heilpflanzen ein – mit spannenden Interviewgästen und inspirierenden Gesprächen. Jede Folge eröffnet neue Einblicke in Phytotherapie, traditionelle Naturheilkunde sowie TCM und zeigt, wie die Kraft der Pflanzen Gesundheit, Wohlbefinden und das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele stärken kann.
Die in diesem Podcast geäußerten Aussagen und Meinungen stammen ausschließlich von den interviewten Personen und stellen keine Aussage, Empfehlung oder Werbung dar. Sie ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder andere Fachpersonen.
Dahiya D., Nigam P.S. The Gut Microbiota Influ-enced by the Intake of Probiotics and Functional Foods with Prebiotics Can Sustain Wellness and Alleviate Certain Ailments like Gut-Inflammation and Colon-Cancer. Microorganisms. 2022;10:665.
Szutowska J. Functional properties of lactic acid bacteria in fermented fruit and vegetable juices: A systematic literature review. Eur. Food Res. Technol. 2020;246:357–372.
Ranadheera C.S. (2017). Probiotic Delivery through Fermentation: Dairy vs. Non-Dairy Bev-erages. Fermentation. 3:67.
Oh Y., et al (2020). Lactobacillus plantarum PMO 08 as a Probiotic Starter Culture for Plant-Based Fermented Beverages. Molecules. 25:5056.
Hinterlassen Sie einen Kommentar
Melden Sie sich an, um Kommentare zu posten