Von der Biochemie des Glücks: körpereigene Botenstoffe im Fokus
Glücksempfinden ist mehr als nur eine Frage der Einstellung. Hinter Stimmung, Motivation und emotionaler Balance steckt ein faszinierendes Zusammenspiel aus Neurotransmittern, Darm, Ernährung und Lebensstil. Tauche mit uns ein in die Biochemie des Glücks.
Was macht uns Menschen glücklich?
Die Antwort auf diese Frage fällt so unterschiedlich aus wie wir Menschen nunmal sind. Für den einen ist es das Gefühl von Freiheit, für die anderen tiefe Verbundenheit. Manche finden Glück in der Stille, andere im Miteinander. Prägungen, Erfahrungen, Beziehungen, Lebenssinn, materielle Sicherheit, körperliche Gesundheit – sie alle färben das, was wir als Wohlbefinden erleben, auf je eigene Weise.
Das Empfinden von Glück ist mehr als reine Kopfsache
Eines jedoch haben wir alle gemeinsam: Glück ist nicht nur eine Frage der Einstellung. Auch wenn Gedanken, Perspektiven und der bewusste Umgang mit Emotionen wichtig sind – sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Der andere Teil spielt sich auf einer Ebene ab, die wir nicht direkt sehen, aber täglich spüren: der Biochemie unseres Nervensystems.
So individuell Glück auch erlebt wird: Ob wir es überhaupt empfangen können, hängt zu einem wesentlichen Teil davon ab, wie gut unsere innere Chemie im Gleichgewicht ist. Botenstoffe, Hormone und Enzymsysteme tragen wesentlich dazu bei, wie sich Stimmung, Stressverarbeitung und Wohlbefinden entwickeln.
Und mal ehrlich: Heutzutage, wo wir vermehrt mit Reizüberflutung, Schlafmangel, chronischem Stress und einer wachsenden Entfremdung von natürlichen Rhythmen zu tun haben, könnten wir alle ein bisschen mehr von diesem inneren Gleichgewicht gebrauchen. Oder?
Nicht als euphorisches Hochgefühl – sondern als jene stille, tragfähige Grundstimmung, die es uns erlaubt, den Alltag mit mehr Leichtigkeit zu bewältigen.
Tauchen wir heute ein in die Biochemie des Glücks:
Glückshormone – Botenstoffe, die unser Wohlbefinden beeinflussen
Je nach Botenstoff werden sog. "Glückshormone" in unterschiedlichen neuronalen oder hormonellen Prozessen aktiviert bzw. freigesetzt. Botenstoffe werden vom Körper in bestimmten Situationen vermehrt ausgeschüttet – etwa bei Bewegung, positiven Erlebnissen, ausreichend Schlaf, sozialen Begegnungen oder auch durch bestimmte Genussmomente wie ein gutes Essen.
Es handelt sich hierbei nicht um "Glück" im klassisch verstandenen Sinn, sondern um fein abgestimmte neurobiologische Signale, die Entspannung, Antrieb, Belohnung und Verbundenheit mit beeinflussen.
Was sind die wichtigsten "Glücksbotenstoffe"?
Umgangssprachlich werden spezielle Neurotransmitter, Neuropeptide und Hormone als sog. "Glückshormone" bezeichnet – körpereigene Botenstoffe, die an Stimmung, Motivation, Belohnungserleben und emotionaler Regulation beteiligt sind.
Unser Wunderwerk Körper bildet viele unterschiedliche Botenstoffe, die bekanntesten sind:
♦ Serotonin – biogenes Amin; das "Wohlfühlhormon" bzw. der Stimmungsaufheller
- Dieser Botenstoff wird mit emotionaler Stabilität, innerer Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit in Verbindung gebracht. Er sorgt dafür, dass wir stressresistenter werden und Herausforderungen gelassener meistern. Mehr dazu weiter unten.
♦ Dopamin – biogenes Amin, das sog. "Belohnungshormon"
- Dopamin ist an Belohnungs- und Motivationsprozessen beteiligt und wird unter anderem bei positiv bewerteten Erfahrungen ausgeschüttet. Dieser kleine "Belohnungsschub" motiviert uns dazu, diese positiven Verhaltensweisen zu wiederholen.
♦ Noradrenalin – ebenfalls ein biogenes Amin, auch bekannt als "Stresshormon"
- Noradrenalin unterstützt die Aufmerksamkeit, Wachheit und Reaktionsfähigkeit.
♦ Endorphin – Neuropeptid, der körpereigene "Schmerzstiller"
- Endorphine werden vor allem bei Bewegung oder intensiven Emotionen ausgeschüttet. Bei positiven Reizen, wie nach körperlicher Bewegung im Freien oder Sport, lösen Endorphine ein positives Hochgefühl aus, das manchmal "berauschend" beschrieben wird.
♦ Oxytocin – Neuropeptid, auch bekannt als Bindungshormon bzw. "Kuschel- und Liebeshormon"
- Oxytocin entsteht bei sozialer Nähe und wird mit sozialer Bindung, Vertrauen und einem Gefühl von Verbundenheit in Verbindung gebracht.
Jeder von diesen Botenstoffen trägt auf seine Weise zu unserem Wohlbefinden bei. Serotonin nimmt dabei eine besondere Rolle ein – nicht als lautester Botenstoff, sondern als ein sehr beständiger. Es bildet ein ruhiges Fundament emotionaler Stabilität, auf dem sich auch die anderen Botenstoffe gut entfalten können. Dazu später im Detail noch mehr..
Serotonin und Dopamin: Zwei Dirigenten, ein Orchester
Wenn aus biochemischer Perspektive von Wohlbefinden und mentaler Stärke die Rede ist, fallen oft zwei Namen gleichzeitig: Serotonin und Dopamin.
Beide sind zentrale Botenstoffe des Nervensystems, doch sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben und agieren in einem komplexen Zusammenspiel.
Dopamin ist eng mit Motivation, Belohnungserwartung und Neuheitsverarbeitung verbunden – es wird freigesetzt, wenn du ein Ziel anvisierst, eine Belohnung erwartest oder etwas Neues entdeckst.
Serotonin hingegen wird mit innerer Stabilität, Stimmungsregulation und Gelassenheit verbunden – es setzt ein, wenn du im Moment ankommst, dich sicher und geerdet fühlst, ohne etwas haben oder erreichen zu müssen.
Die beiden Systeme stehen in einem fein austarierten Wechselspiel: Ein hoher Serotonin-Spiegel kann die Dopamin-Ausschüttung modulieren – und umgekehrt.
Für die Praxis heißt das:
Ein einseitiger Ansatz greift oft zu kurz
Ein ganzheitlicher Blick berücksichtigt sowohl Ruhe und Stabilität als auch Motivation und Antrieb.
Ernährung, Lebensstil und entsprechend abgestimmtes Alltagshandeln greifen diesem Zusammenspiel direkt unter die Arme. Dazu gehören auch die biochemischen Voraussetzungen im Gehirn:
Um sog. "dopaminerge Prozesse" (also die Synthese und Weiterleitung von Dopamin) optimal zu unterstützen, braucht der Körper spezifische Bausteine. Eine gute Versorgung mit Bausteinen wie den Aminosäuren L-Tryptophan und L-Tyrosin (zu finden in Eiern, Fisch oder Nüssen) sowie Co-Faktoren wie Eisen und Vitamin B6 unterstützt die natürliche Synthese im Gehirn. Ebenso können Bewegung, ausreichend Schlaf und das Erreichen kleiner Etappenziele diese Prozesse nachweislich positiv beeinflussen.
[Mehr zu den Co-Faktoren weiter unten]
Serotonin – was macht diesen Neurotransmitter so besonders?
Serotonin haben wir weiter oben bereits als eines unserer "Glückshormone" vorgestellt. Aber diese Bezeichnung greift zu kurz. Serotonin sollte nicht als Stimmungsaufheller im Sinne von Hochgefühlen verstanden werden, sondern vor allem als ein Regulator, der an innerer Stabilität und emotionaler Balance beteiligt ist. Und es beeinflusst weit mehr als nur deine Stimmung – vom Schlaf über den Appetit bis hin zu deiner Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben.
Auch diesem körpereigenen System sind wir nicht machtlos ausgeliefert, denn Serotonin lässt sich auf sehr konkrete Weise unterstützen. Gehen wir ins Detail dieses ganz besonderen Neurotransmitters:
Der Darm: Produktionszentrum von Serotonin
Hier beginnt für viele von uns eine überraschende Tatsache: Etwa 90 % des körpereigenen Serotonins werden nicht im Gehirn produziert – sondern im Darm. Dieses periphere Serotonin erfüllt jedoch andere Aufgaben als das Serotonin im Gehirn.
Genauer gesagt: Serotonin wird in den sogenannten enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut produziert. Serotonin reguliert dort die Darmbewegung, koordiniert das enterische Nervensystem (unser "Bauchhirn") und kommuniziert via Vagusnerv mit dem Gehirn.
Nur die verbleibenden rund 10 % werden im Zentralnervensystem selbst gebildet – und genau dieses zehnprozentige Reservoir trägt maßgeblich zu unserer emotionalen Balance, Konzentration und mentalen Stabilität bei.
Serotonin und die Krux mit der Blut-Hirn-Schranke
Jedoch: Darmproduktion und Gehirnproduktion (von Serotonin) sind strikt voneinander getrennt. Zwischen ihnen liegt die sogenannte Blut-Hirn-Schranke – eine hochselektive biologische Barriere, die das Gehirn vor dem Eintritt unerwünschter Stoffe schützt.
Peripheres Serotonin (das im Blutkreislauf zirkulierende Serotonin aus dem Darm) kann diese Schranke nicht passieren. Das Gehirn ist auf sich selbst angewiesen. Es muss seinen eigenen Serotonin-Nachschub vollständig eigenständig synthetisieren – aus einem einzigen Rohstoff: der essenziellen Aminosäure Tryptophan.
Und genau hier beginnt das eigentliche "Spiel".
Das Nadelöhr: Warum "mehr Tryptophan" alleine nicht ausreicht
Tryptophan ist eine sogenannte essentielle Aminosäure – der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sie muss über die Nahrung zugeführt werden. Gute Quellen sind Kürbiskerne, Nüsse, Hülsenfrüchte, Spirulina, Tofu und auch Geflügel oder Eier.
- Also könnte man meinen:
- Mehr Tryptophan essen → führt zu mehr Serotonin im Gehirn.
- Nein.
So einfach ist es leider nicht – und das liegt an einem kleinen, aber wirkungsmächtigen Engpass.
Tryptophan ist vorhanden, kann aber nicht "eintreten"
L-Tryptophan ist eine großmolekulare, neutrale Aminosäure (LNAA).
Um die Blut-Hirn-Schranke zu passieren, muss es den sog. "Large neutral Amino Acid Transporter 1" (LAT1) nutzen. Diesen Transporter muss sich Tryptophan jedoch auch mit anderen Aminosäuren (wie Leucin, Isoleucin, Valin, Tyrosin und Phenylalanin) teilen.
Sie alle konkurrieren gleichzeitig um denselben Eingang.
Eine proteinreiche Mahlzeit senkt daher paradoxerweise die Tryptophan-Aufnahme im Gehirn, weil die konkurrierenden Aminosäuren in der Überzahl sind.
Wer also eine proteinreiche Mahlzeit zu sich nimmt (bspw. eine große Portion Nüsse oder Hühnerbrust) führt dem Blutkreislauf zwar auch Tryptophan zu, jedoch mit all seinen Mitbewerbern.
Das Ergebnis: Der relative Anteil an Tryptophan, der ins Gehirn gelangt, bleibt bescheiden – trotz guter Versorgungslage im Blut.
Die clevere Timing-Strategie:
So gelangt mehr Tryptophan ins Gehirn
Hier setzt ein faszinierender ernährungsphysiologischer Trick an, der auf dem Insulineffekt basiert:
♦ Tagsüber den Tryptophan-Pool aufbauen:
Iss regelmäßig über den Tag verteilt tryptophanreiche Lebensmittel. So füllt sich das Reservoir im Blut kontinuierlich auf.
- Kürbiskerne (besonders hoher Tryptophan-Gehalt)
- Spirulina und andere Algen
- Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen)
- Nüsse und Samen (Walnüsse, Cashews, Sonnenblumenkerne)
- Tofu und Tempeh
♦ Nachmittags oder am frühen Abend – den Transportweg freimachen:
Iss auf relativ nüchternen Magen einen kleinen, proteinarmen Kohlenhydrat-Snack – zum Beispiel eine reife Banane, zwei Datteln oder etwas Reis ohne Protein-Beigabe.
Was passiert dabei?
Die Kohlenhydrate lösen eine moderate Insulinausschüttung aus. Insulin wiederum schleust bevorzugt die konkurrierenden verzweigtkettigen Aminosäuren (Leucin, Isoleucin, Valin) in die Muskelzellen. Das Blut "leert sich" kurzfristig von Tryptophans stärksten Konkurrenten – dadurch verbessert sich das Verhältnis von Tryptophan zu konkurrierenden Aminosäuren im Blut, was den Transport ins Gehirn begünstigen kann.
Dieses Prinzip des zeitversetzten Ernährungs-Timings ist kein Mythos, sondern gut dokumentierte Biochemie – und gleichzeitig eines der elegantesten Beispiele dafür, wie klug strukturierte Ernährung die Neurochemie subtil beeinflussen kann.
Die unsichtbaren Helfer:
Mikronährstoffe als enzymatische Schlüssel für die Serotoninsynthese
Selbst wenn Tryptophan erfolgreich ins Gehirn gelangt, ist damit noch lange kein Serotonin entstanden. Die Umwandlung – Tryptophan → 5-HTP → Serotonin – ist ein mehrstufiger enzymatischer Prozess, der ohne bestimmte Co-Faktoren ins Stocken gerät.
Die wichtigsten dieser enzymatischen Helfer (Co-Faktoren) für die Serotonin-Synthese im Gehirn sind:
Vitamin B6
..ist unverzichtbar für den finalen Schritt der Serotonin-Synthese. Ohne ausreichend B6 (idealerweise in der aktiven Form P5P – Pyridoxal-5-Phosphat) bleibt das "Fließband" buchstäblich stehen.
Vitamin B3 (Niacin)
Ein ausreichender Vitamin-B3-Spiegel verhindert, dass der Körper mehr Tryptophan in den sog. "Kynurenin-Weg" (primärer Stoffwechselweg, über den Tryptophan abgebaut wird) umleitet, um eigenes Niacin zu synthetisieren. Bei einem Mangel an Vitamin B3 wird mehr Tryptophan verbraucht, ohne Serotonin zu bilden.
Vitamin B12 und Folat (Vitamin B9)
Für die Bildung von SAMe (S-Adenosylmethionin), einem zentralen Methylgruppen-Donor im Stoffwechsel, sind Vitamin B12 und Folat (Vitamin B9) ebenfalls entscheidend. Beide Vitamine sind für die Remethylierung von Homocystein zu Methionin notwendig – aus Methionin entsteht SAMe.
Vitamin D3
Untersuchungen deuten darauf hin, dass Vitamin D auch an der Regulation von Enzymen ist, die für die Serotoninsynthese (Bildung der Tryptophan-Hydroxylase 2) relevant sind. Ein häufig übersehener Faktor, gerade während der lichtarmen Wintermonate.
Eisen
..ist ein notwendiger Co-Faktor für die Tryptophan-Hydroxylase, jenem Enzym, das den ersten Umwandlungsschritt (Tryptophan → 5-HTP) initiiert. Somit kann auch Eisenmangel die Serotoninsynthese theoretisch beeinträchtigen.
Magnesium
..hat einen Einfluss auf die neuronale Erregbarkeit, die Funktion von Neurotransmitter-Rezeptoren und die Stabilität des Nervensystems. Es unterstützt somit auch die Signalweiterleitung von Serotonin.
Ein Mangel an einem dieser Mikronährstoffe kann selbst eine optimale Ernährungsstrategie untergraben.
Ganzheitliche Unterstützung bedeutet daher immer: Den Rohstoff (Tryptophan) und das Werkzeug (Mikronährstoffe) gemeinsam im Blick behalten.
Der Fast-Pass:
5-HTP aus Griffonia simplicifolia – Direkter Baustein für Serotonin?
Was, wenn es einen Weg gäbe, das komplizierte Transportproblem von Tryptophan an der Blut-Hirn-Schranke und den ersten enzymatischen Schritt der Serotonin-Synthese zu umgehen?
Genau das leistet 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) – eine natürliche Aminosäure, die im Körper als direkter Vorläufer des Neurotransmitters Serotonin dient. Hierfür machen wir einen kurzen Schwenk nach Afrika:
Griffonia simplicifolia, auch bekannt als afrikanische Schwarzbohne, ist eine kletternde Pflanze, deren Samen einen der konzentriertesten natürlichen 5-HTP-Vorräte enthalten, die in der Pflanzenwelt bekannt sind.
In der Orthomolekularen Medizin gilt Griffonia-Samenextrakt als ein faszinierender und viel untersuchter pflanzlicher Wirkstoff in Bezug auf die natürliche Unterstützung des Serotoninstoffwechsels geht.
Die drei Besonderheiten von 5-HTP
① Es überspringt den ersten, regulierten und oft limitierenden Schritt der Serotoninsynthese.
Der erste Schritt der Serotoninsynthese (die Umwandlung von Tryptophan zu 5-HTP durch das Enzym Tryptophan-Hydroxylase) ist der langsamste und störungsanfälligste Schritt im gesamten Prozess. Chronischer Stress und Entzündungsprozesse können den Tryptophan-Stoffwechsel ungünstig verschieben und die Serotoninsynthese indirekt beeinträchtigen. 5-HTP setzt direkt eine Stufe später an – dieser "Flaschenhals" wird also umgangen.
Kurzum: 5-HTP umgeht das Transportproblem an der Blut-Hirn-Schranke und den ersten enzymatischen Schritt (Tryptophan → 5-HTP).
② Es konkurriert nicht am LAT1-Transporter
5-HTP umgeht sowohl das Transport-Nadelöhr (da es nicht mit anderen Aminosäuren um LAT1 konkurriert) als auch den ersten enzymatischen Schritt (Tryptophan → 5-HTP, der Eisen benötigt). Allerdings bleibt der zweite Schritt (5-HTP → Serotonin) von Vitamin B6 abhängig.
③ Es kann nicht für den Kynurenin-Weg "umgeleitet" werden
Bei chronischem Stress oder niedriggradigen Entzündungen ("silent inflammation") wird die Aktivität des Enzyms IDO (Indoleamin-2,3-Dioxygenase) erhöht. Dieses Enzym "stiehlt" Tryptophan und baut es zu Kynurenin (eine nicht-proteinogene Aminosäure) ab, statt zu Serotonin. Dadurch kann dem Serotonin-Stoffwechsel weniger Tryptophan zur Verfügung stehen – selbst dann, wenn genügend Tryptophan aufgenommen wird.
5-HTP liegt biochemisch jedoch hinter dieser Weichenstellung.
Bedenke jedoch:
5-HTP ist deshalb kein "Wundermittel".
Es ist biochemisch gesehen einfach ein direkterer Baustein auf dem Weg zu Serotonin als Tryptophan.
Wichtiger Hinweis!
5-HTP darf nicht kombiniert werden mit serotonergen Medikamenten (z. B. SSRIs oder sog. MAO-Hemmern), da ein Serotonin-Syndrom entstehen kann. Halte unbedingt Rücksprache mit deinem Arzt / deiner Ärztin, solltest du an Vorerkrankungen leiden oder entsprechende Medikamente einnehmen!
Fundament für das Glücksempfinden: dein Lebensstil
Bevor wir zum Abschluss kommen, ein wichtiger Gedanke, den wir dir mitgeben möchten: Kein Pflanzenextrakt der Welt kann dauerhaft das ersetzen, was ein bewusster Lebensstil täglich leistet.
Ja, Serotonin ist die molekulare Grundlage jener stillen Stärke, die dir erlaubt, im Sturm ruhig zu bleiben – emotional ausgeglichen, klar im Kopf, verbunden mit dir selbst.
Sorge auch gut für deine Darmgesundheit – dein Mikrobiom! Damit hast du ebenfalls einen starken Hebel zur Hand, der dein Glücksempfinden positiv beeinflussen kann (Stichwort "fermentierte Lebensmittel" und Ballaststoffe!)
Tageslicht ist ein mächtiger und kostenloser Serotonin-Booster – morgens ins Freie zu gehen, auch wenn der Himmel bedeckt ist, hat messbare Auswirkungen auf die serotonerge Aktivität. Regelmäßige Bewegung aktiviert Serotonin-Transporter. Soziale Verbundenheit, ehrliches Lachen, tiefe Gespräche – all das beeinflusst, wie dieses System schwingt.
Von Serotonin zu Melatonin: Warum Licht und Schlaf zusammengehören
Das Zusammenspiel unserer Botenstoffe endet nicht am Abend – im Gegenteil. Wenn die Dämmerung einsetzt, vollbringt unser Körper ein biochemisches Verwandlungskunststück: Serotonin, das uns tagsüber Gelassenheit und Stabilität schenkt, dient als direkter Baustein für das Schlafhormon Melatonin.
Dieser Übergang wird maßgeblich durch Licht gesteuert. Tanken wir tagsüber ausreichend natürliches Tageslicht, kann das die Serotoninbildung unterstützen. Sinkt abends die Lichtintensität, signalisiert dies der Zirbeldrüse im Gehirn, das tagsüber angesammelte Serotonin in Melatonin umzubauen.
Ein gesunder Schlaf-Wach-Rhythmus ist also untrennbar mit dem feinen Zusammenspiel von Licht, Dunkelheit und der passenden Nährstoffbasis verbunden.
Das Gleichgewicht deiner Botenstoffe liegt in deinen Händen
Ganzheitliche Gesundheit geschieht nie über einen einzigen Hebel. Aber das Wissen um diese Hebel – und die Möglichkeit, diese gezielt einzusetzen – ist ein unschätzbares Werkzeug.
Dein inneres Gleichgewicht ist keine Frage des Zufalls. Es ist eine Frage des Wissens – und der richtigen Bausteine.
Du kannst aktiv dazu beitragen, dein inneres Gleichgewicht zu stärken – durch cleveres Ernährungs-Timing, die gezielte Versorgung mit Schlüssel-Mikronährstoffen, den täglichen Weg ins Tageslicht, gekoppelt an erholsamen Schlaf – und, wo sinnvoll, durch die ergänzende Kraft hochwertiger Pflanzenextrakte wie Griffonia simplicifolia.
Mit der Veröffentlichung dieses Beitrags rund ums Glücksempfinden feiern wir den 100. Wissensbeitrag bei LIFE LIGHT® – und das einen Tag nach der Sommersonnenwende 2026 - dem längsten Tag und der kürzesten Nacht in unseren Breitengraden.
Der Sommer erreicht seinen Höhepunkt.
Nutzen wir das viele Licht und die warmen Stunden, bevor die Tage wieder spürbar kürzer werden! Unsere Glücks-Depots lassen sich auch mit einfachen Mitteln effektiv befüllen ♥
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und Wissensvermittlung. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat von Fachpersonal. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Quellen und weiterführende Literatur:
https://www.lifelight-akademie.com/
Birdsall TC. 5-Hydroxytryptophan: a clinically-effective serotonin precursor. Altern Med Rev. 1998 Aug;3(4):271-80. PMID: 9727088.
Moncrieff J. et alt.: The serotonin theory of depression: a systematic umbrella review of the evidence. Mol Psychiatry. 2023 Aug;28(8):3243-3256. doi: 10.1038/s41380-022-01661-0. Epub 2022 Jul 20. PMID: 35854107; PMCID: PMC10618090.
Lin SH. et. alt.: Serotonin and mental disorders: a concise review on molecular neuroimaging evidence. Clin Psychopharmacol Neurosci. 2014 Dec;12(3):196-202. doi: 10.9758/cpn.2014.12.3.196. Epub 2014 Dec 26. PMID: 25598822; PMCID: PMC4293164.
Bruns, Birgit (2021): Erklär mal, Prof: Serotonin, das Glückshormon, in: up2date. Das Onlinemagazin der Universität Bremen, online unter: https://up2date.uni-bremen.de/artikel/erklaer-mal-prof-serotonin-das-glueckshormon (abgerufen am: 02.06.2026).
Bremshey, S., Groß, J., Renken, K. und Masseck, O. A. (2024): The role of serotonin in depression—A historical roundup and future directions, in: Journal of Neurochemistry, Bd. 168, Nr. 9, S. 1751–1779, online unter: https://doi.org/10.1111/jnc.16097 (abgerufen am: 02.06.20269.
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Kommentare
Super spannend
Von:Gisela An 24.06.2026Toll erklärt. Sprich, gut verständliche Wissensvermittlung. Ein Glücksfall :-)